Pflegebegutachung von Kindern

Die Einschätzung der Pflegebedürftigkeit bei Kindern folgt grundsätzlich den Prinzipien der Erwachsenbegutachtung.

Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass bei Kindern in der Bewertung allein die Abweichung von der Selbstständigkeit und den Fähigkeiten altersentsprechend entwickelter Kinder zugrunde gelegt wird.

Eine oft vernachlässigte Gruppe von pflegebedürftigen Personen,  sind Kinder mit ADHS und/oder mit einer Autismusspektrumsstörung.

Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff werden körperliche und seelische/psychische Einschränkungen bzw. Beeinträchtigungen gleichgestellt.

Das bedeutet für AutistInnen und ADHSler, die keine pflegerische Hilfe benötigen, dennoch Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen können, wenn sie der Anleitung und Hilfe bei der Strukturierung und Bewältigung ihres Alltags brauchen.

Bei AutistInnen, bei denen bereits auf aufgrund körperlicher Einschränkungen ein Pflegegrad annerkannt wurde, werden nun zudem auch die Unterstützungsbedarfe im Alltag berücksichtigt, die z.B. aufgrund von Weglauftendenz und ständiger Beaufsichtigung sowie der Notwendigkeit der Strukturierung von Tagesabläufen.

Es wird auch berücksichtigt, ob sich ein Mensch zeitlich und räumlich orientieren, Risiken erkennen und Gespräche führen kann.

Auch Unruhe in der Nacht, Ängste und Aggressionen sowie Abwehrendes Verhalten bei der Pflege werden seit 2017 berücksichtigt, ebenso die Notwendigkeit bei Tätigkeiten außer Haus begleitet werden zu müssen oder Unterstützng bei der Tagesplanung zu benötigen.

Wie einfach die Einstufung in einen Pflegegrad sein kann möchte ich Ihnen an anhand einzelner Module des Neuen Begutachtungassesment skizzieren.

Schon ab 12,5 Punkte erreichen sie den Pflgegrad 1.

Bei der Pflegebegutachtung beurteilt der Gutachter n.a. die Inhalte von Modul 2 (Kognitive und Komunikative Fähigkeiten) und Modul 3 (Verhaltensweisen und Psychologische Problemlagen).

In die abschließende Bewertung wird jedoch nur Modul 2 oder Modul 3 einfließen. Ich habe mich für Modul 3 entschieden, weil die meisten Verhaltensauffälligkeiten hier entsprechned aufgelistet sind.

In diesem Modul können bis zu 65 Punkte erreicht werden. Gewichtet, also in die Bewertung einfließen werden jedoch nur maximal 15 Punkte. Die erreichen wir schon mit den täglichen Verhaltensauffälligkeiten wie “psychisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen” und “Verbale Aggression.”

Natürlich werden in der Pflegebegutachtung weit mehr Items beurteilt, die mit Verhaltensaufälligkeiten an den Tag treten. Doch wie gesagt, um die maximale Punktzahl in diesem Modul zu erreichen würden uns schon diese beiden Kriterien genügen.

Anmerkung: Sie können gerne die oben angekreuzten Bereiche durch zwei andere Auffälligkeiten ersetzen. Solange sie täglich stattfinden genügen zwei Items zum erreichen der vollen Gewichtung der Punkte.

Hier haben sie jetzt 15 gewichtete Punkte erhalten und somit den Pflegegrad 1.

 Schon ab 27 Punkte erreichen sie den Pflgegrad 2.

Auch hier wieder nur exemplarisch und auszugsweise die Einschätzung des Modul 5 (Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen). “Taxi-Mama.” Welche Eltern kennen das nicht? Bei Kindern mit ADHS und/oder Autismus sind viele Termine zu bewältigen. Erghotherapie, Logopädie, Verhaltenstherapie, Physiotherapie usw., von den Arzt- und Facharztbesuchen gar nicht erst zu sprechen. Hinzu kommt eine oft unvermeidliche Sicherstellung der Einnahme von verordneten Medikamenten.

In meiner Bewertung gehe ich von einer zweimal täglichen Sicherstellung der Medikamenteneinahme durch die Eltern oder Tageseinrichtungen aus. Desweiteren fasse ich alle Arzt- und Facharztbesuche zu einem wöchetnlichen Besuchstermin zusammen. Einmal wöchentlich Erghotherapie, einmal Logopädie oder eine andere Therapieform und schon sind wir bei 4 Punkten und einer Gewichtung von 15 Punkten angelangt. Klar, die voll gewichtete Punktzahl wäre in diesem Modul 20 Punkte. Aber für mein Besispiel reichen mir diese 15 Punkte schon aus.

Mit den gewichteten 15 Punkten aus Modul 3 und den eben erlangten 15 Punkten aus Modul 5 haben wir Gesamtpunktewert von 30 gewichteten Punkten erreicht.

Herzlichen Glückwunsch. Wir sind im Pflegegrad 2 angekommen.

 

Schon ab 47,5 Punkte erreichen sie den Pflgegrad 3. (…… Fortsetzung folgt….)

 

Mein Tip:

Zur Berechnung der Pflegegrade benutze ich das “NBA-Tool Berechnungsprogramm zur Ermittlung der Pflgegrade”. Die oben auszugsweise dargestellten Tabellen sind screenshoots dieses Programms. Zur Vertiefung der Inhalte und zum weiteren erarbeiten von Hintergrundinformationen empfehle ich Ihnen zudem noch den “Praxisratgeber Pflegeversicherung.” Beides ist im Wallhalla-Verlag erschienen.